Zur Fetten Henne

fette-henneIm Bundestag, direkt über der Loge des Parlamentspräsidiums, hängt ein Bundesadler. In seiner gegenwärtigen Form entstammt er einem Entwurf des Kölner Künstlers Ludwig Gies aus dem Jahr 1953. Er ist, seiner Zeit gemäß, etwas füllig und ausgesprochen friedlich geraten. Nicht gerade ein ästhetisches Glanzstück – unter ihm wirkt das Abgeordnetenhaus wie eine renovierte Jugendherberge. Zurecht bespottete man den Adler zeitlebens als Fette Henne.

Doch dahinter, auf der Rückseite des Wappenvogels und kaum bekannt, befindet sich ein zweiter Adler. Es ist ein Entwurf von Norman Foster, den er bei der Planung der Parlamentsräume entwickelte. Fosters Vogel unterscheidet sich deutlich vom Bonner Greif: Er ist kraftvoll, ausdrucksstark und selbstbewusst. bundesadler-rueckseiteVielleicht zu selbstbewusst für die junge Berliner Republik, denn mancher Beobachter sorgte sich in en 90ern wegen der neuen deutschen Größe. Doch inzwischen hat die Bundesrepublik alle Ängste widerlegt, ringt aber noch immer um eine neue Identität. Wäre es da nicht an der Zeit den Vogel umzudrehen, und die Rückseite nach vorn zu kehren? Und den alten Namen könnte man weiterverwenden – über der Eingangstür des Abgeordneten-Restaurants: Zur Fetten Henne.

Bild Times

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