Vegetarische Schlachteplatte

Vegetarische Schlachteplatte

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Es macht nicht viel Arbeit, diese Beilage aus gebratenen und gebackenen Gemüsen auf den Tisch zu bringen. Vielleicht lieben die Italiener ihre Antipasti deshalb so sehr. Man sollte sich damit nicht den Bauch voll schlagen. Manchmal macht man es trotzdem.

Im Zentrum des deutsche Küchenkosmos thront bis heute der Braten. Und wenn es keinen Braten gibt, dann gibt es Schnitzel oder Wurst, Klopse oder Gulasch, Frikadellen oder Hühnerschenkel. Wie wenig Bedeutung anderen Speisen zukommt, drückt ein kleines, hässliches Wort aus: Sättigungsbeilage. Nur Fleisch zu essen wäre zu teuer, also muss man sich mit Kartoffeln oder Reis behelfen, die man dem Familienoberhaupt unauffällig unterschieben kann, ohne dass er cholerisch das Sonntagsessen aus dem Fenster wirft.

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Dass es auch anders geht, wissen Vegetarier schon lange. Selbst unter Veganern finden sich ausgesprochene Gourmets, die viele Stunden der Nahrungszubereitung widmen und aus Basis-Zutaten wie Linsen, Mais, Rübchen oder Karotten wahre Köstlichkeiten zu zaubern verstehen. Leider müssen sie sich spätestens beim Familienfest wieder mit wässrigem Blumenkohl und faden Kartoffeln begnügen, während die Verwandschaft munter Schweinelenden verputzt.

Ich gebe zu, meine Vegetarierplatte ist nicht besonders originell. Es ist allein dem Zufall geschuldet, dass aus den Antipasti ein ganzes Gericht wurde. Bei anderer Gelegenheit würde ich sie als Vorspeise oder als Beilage (zum Beispiel zu einem gegrillten Fisch) servieren, denn den Fokus auf die Beilagen zu richten, kann jedem Essen nur dienen.

Bei der Zubereitung der Zutaten folge ich einem Grundprinzip: Zuerst anbraten und dann im Ofen garen lassen. Das gilt für die Kartoffeln ebenso, wie für Paprika, Karotten, Auberginen und Champignons. Ich fange mit den Kartoffeln an, denn sie brauchen am längsten. Sie werden zunächst gewaschen, mitsamt der Schale in mundgerechte Stücke geschnitten und in Olivenöl auf heißer Flamme geschwenkt, bis sie Temperatur und Farbe angenommen haben. Dann gebe ich sie in einen offenen Bräter mit reichlich Olivenöl, einem Zweig Thymian, einigen angedrückten Knoblauchzehen, zwei Lorbeerblättern und einer kräftigen Prise Salz.

Darauf folgen nach und nach die Karotten, die Paprika-Streifen (bevorzugt rot oder gelb) und die Champignons. Die Auberginen hingegen bekommen ein kleine Sonderbehandlung. Es bedarf einer gewissen Geduld um dieses an sich weiche Gemüse gar zu bekommen. Weil sie das Öl ruckzuck aufsaugen und danach trocken in der Pfanne liegen, als wäre nichts geschehen, gebe ich ein Gläschen Brühe dazu und lasse sie so ein paar Minuten dünsten.

Das ganze Gemüse liegt nun gemeinsam im Bräter im Ofen und gart für ungefähr 45 Minuten bei 150 Grad, während ich einen kleinen Salat aus weißen Bohnen vorbereite. Hierzu gebe ich die vorgekochten, abgetropften Bohnen in eine Schüssel mit zwei oder drei fein gewürfelten braunen Champignons. Dazu kommt ein Spritzer Zitronensaft, etwas frische gehackte Minze, Salz und Pfeffer, eine winzige Prise Zucker und einige geschnittene Frühlingszwiebeln. Zur besonderen Aromatisierung streue ich noch ein paar Körner Nigella hinein. Das sind die schwarzen Krumen, mit denen auch türkisches Fladenbrot bestreut wird. Man bekommt sie problemlos im türkischen Supermarkt.

Das Gemüse duftet nun herrlich würzig. Damit es nicht ganz allein daher kommt, rühre ich noch schnell eine leichte Joghurtsoße an, und richte dann alles auf einer großen Platte an. Dazu gibt es bei mir lediglich frisches Brot. Als Vorspeise wäre das allemal genug. Wem bei diesem Anblick der Appetit versagt, der hat es nicht anders verdient. Denn schmackhaft sind diese Gemüse allemal – sättigend übrigens auch.

Edit: Ein kleiner, hübscher Zeitvertreiber – die Schlachteplatte auf beef.de

2 Antworten auf Vegetarische Schlachteplatte

  1. Helmut Krautberger sagt

    Ich bin zwar auf der Suche nach einer echten Schlachteplatte hier vorbei gekommen, aber die vegetarische Variante gefällt mir auch. Vielleicht sogar noch besser. Wer will schon Kassler und Rippchen auf Sauerkraut, wenn er italienisches Gemüse und ein Stück Fisch bekommen kann? Außer vielleicht dass es draußen seit Tagen bei drei Grad regnet. Dann brauch man schonmal was deftiges, um die Stimmung zu heben… Kommt ja leider jetzt wieder öfter vor. Obs am Herbst liegt? ;)

  2. Andreas sagt

    Es muss auch im Winter keine Schlachteplatte sein. Wie wäre es mit einem Wiener Gulasch oder mit einem schönen Braten? Dazu vielleicht Kartoffelpürree, dass tut der Seele gut…

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