Sushi Tatare

Frisches, gutes Rindfleisch gehört zu den Zutaten, die man kaum verbessern kann. Doch nicht jeder kann sich nicht zu diesem Genuss überwinden. Also nenn‘ es Rohkost, nenn‘ es Sushi, dann bring‘ es auf den Tisch.

Von rohen Lebensmitteln geht eine ganze eigene Faszination aus. Das wissen wir nicht erst, seit wir unseren Kindern rohe Möhrenstücke unterschieben, oder seit Sushi in jedem Supermarkt in der Kühltheke liegt. Selbst bevor in den 1950ern das Rezept für Carpaccio entwickelt wurde, gab es mit dem Beefsteak Tatar längst einen Klassiker auf den Speisekarten, bei dem das Rohe und Frische so weit im Vordergrund stehen, dass es eigentlich gar keinen Koch mehr braucht. Was heißt eigentlich? Tatar wird im Restaurant vom Kellner zubereitet. Die Küche schickt lediglich die Zutaten – rohes Fleisch, Eigelb, Kapern, eine Schallote, Zitronensaft, Salz und Pfeffer

Deutsches Sushi – mit Tatar und Avocado

Das Gericht wirkt heute ziemlich altmodisch. Auf dem Teller liegt am Ende ein dicker roter Kloß aus Gehacktem. Doch dieses Rezept hat es in sich und in manchen Familien ist es zurecht das traditionelle Weihnachtsessen. Seine Zubereitung ist nicht schwer. Hier kommt es allein auf die Zutaten an. Das Gesetz schreibt vor, dass Tatar, genau wie Mett, nur am Tag der Herstellung verkauft werden darf. Bis zum Abend sollte man es verzehren. Der Grund für die Eile ist nicht nur der Umstand, dass wir das Fleisch roh verspeisen werden. Durch die Zerkleinerung hat das Fleisch eine sehr große Oberfläche und verliert seinen natürlichen Schutz. Bakterien und anderes Getier lassen sich mit Freuden nieder und vermehren sich entsprechend.

Wir wollen das Tatar heute ein bisschen modernisieren. Das Ziel sind kleine Häppchen, die man zum Beispiel als Vorspeise oder Fingerfood essen kann. Dafür würzen wir das Fleisch zunächst, indem wir eine fein gehackte Schalotte und einige gewässerte Kapern hineingeben. Etwas Salz, und diesmal ein besonders gutes, einige Spritzer Zitronensaft und Pfeffer aus der Mühle gehören ebenfalls dazu. Ein rohes Eigelb verbessert den Geschmack und macht die Masse weich und ebenmäßig. Das alles wird kurz aber gründlich durchgearbeitet. Nach dem ersten Happen sollte man noch einmal nachwürzen. Langsam steigt die Wollust auf.

Das Toastbrot muss frisch sein. Ich nehme Vollkornbrot, denn der etwas kräftigere Geschmack wird dem rohen Fleisch nicht schaden. Mit dem schärfsten Messer schneide ich von den Scheiben außen herum die Rinde ab. So viel Luxus wird erlaubt sein. Die verbleibenden Quadrate halbiere ich noch mal und streiche sie mit ein wenig Mayonnaise ein, die ich noch vom Vortag übrig habe. Gekaufte geht natürlich auch.

Die Tatar-Masse verteile ich sorgfältig auf dem Brot und lege nun nur noch ein Stück einer reifen Avocado darauf, die man ja inzwischen glücklicherweise leicht bekommt. Ihre pflanzliche Cremigkeit verbindet sich kaum spürbar mit dem Fleisch. Das Resultat ist sehr weich, aber aufregend appetitlich. Näher kann man seinen Zutaten kaum kommen: das saftige, aromatische Fleisch, leicht gesäuert und aromatisch, die cremige Avocado, das gute Salz in groben Körnern, der Pfeffer, das fluffige Brot und ab und zu eine würzige Kaper. Wie bei einem guten Sushi haben alle Komponenten ihren Auftritt. Diese Häppchen mutieren schnell zum Hauptgericht, wenn man nicht aufpasst.

3 Antworten auf Sushi Tatare

  1. Karla Kaloria sagt

    Also, rohes Fleisch bekomme ich bisher nicht runter. Vielleicht ist es Zeit, dass ich mich mal überwinde, since I love my Sushi!

  2. ENGELHARD sagt

    Probiers mal. Das ist wirklich etwas Gutes. Ich musste mich auch erst überwinden. Das schöne ist, dass es eine Delikatesse ist, die man sich mal schnell gönnen kann, wenn es Dich im Supermarkt überkommt.

  3. Udo Etap sagt

    I love my Tatar!

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