Jamón Ibérico

Schöne Beine, Schweinchen! Spanischer Schinken gehört zu den feinsten Produkten, die man aus Fleisch herstellen kann. Wer das langweilig findet, der hat den echten Iberico noch nicht gekostet!

‚Riecht nach Leiche‘, sagt meine Freundin, doch ihre Mitbewohner sehen das anders. Die beachtliche linke Hinterkeule eines iberischen Schweins, die in der Küche aufgebaut ist, wird von Tag zu Tag dünner. Ein Stückchen im Vorbeigehen, ein Scheibchen während der Nebenkostenabrechnung, ein beherzter Schnitt mit dem Glas Rotwein in der Hand – das Mitbringsel aus Spanien ist ein Volltreffer in der genusshungrigen WG. Nach zwei Wochen ist nur noch ein abgefetzter Knochen übrig.

schinken

Ohne Zweifel kommt aus Spanien der beste Schinken der Welt. Sogar die selbstbewussten Katalanen lieben den Jamón Ibérico, und das obwohl sie sonst alles Spanische mit großer Geste von sich weisen. Hierzulande freut sich der Käufer vielleicht über einen Serrano-Schinken in der Fleischtheke des Supermarktes, denn damit hat man immerhin eine Alternative zum rumpeligen Schwarzwälder Schinken gefunden, für den echten Ibérico, vor allem für den „Pata Negra“, ist der Serrano Schinken jedoch keine Konkurrenz.

Die Qualität, und damit auch der unglaubliche Geschmack des Jamón beruht auf zwei Voraussetzungen: der Rasse des Schweins (je mehr von einem echten iberischen drinsteckt, desto besser) und der Fütterung. Ein Schwein, das sich sein Leben lang fast ausschließlich mit Eicheln satt fressen durfte, hat gute Chancen, zu einem Jamón Ibérico de Bellota verarbeitet zu werden. Bis zu 1.000 Euro kann ein besonders wohlgenährtes, gut gereiftes Schwein für jeden seiner Hinterläufe verlangen.

Ein wichtiges Indiz für die Qualität ist der charakteristische schwarze Huf, die „Pata Negra“, der iberischen Schweine. Damit man ihn auch herzeigen kann, bleibt der Fuß bis zuletzt an der Keule. In unserem Fall war das Schwein jedoch hellhäutig. Das mag auf den meisten Kontinenten ein Schönheitsideal sein, beim iberischen Schwein ist es ein Makel, der dem Genuss jedoch nicht zwangsläufig im Wege steht. Auch unser relativ einfacher Schinken treibt mir das Wasser im Munde zusammen. Schon der Duft verbreitet das nussige Aroma, und der Geschmack ist äußerst ‚yummi‘ und sehr vielschichtig. Es löst noch im selben Augenblick den Hunger nach mehr aus.

Um sich dem Fleisch zu nähern, braucht man ein scharfes Messer, am besten ein Lachsmesser, mit einer möglichst langen und flexiblen Klinge, die aus einem weichen und somit besonders scharfen Stahl besteht. Damit kann man mit langen, ruhigen Bewegungen möglichst dünne Scheiben herunterschneiden. Dazu trinkt man Rotwein und isst ein bisschen Weißbrot mit Salz und Olivenöl. Das Essen lässt sich natürlich nach Belieben erweitern, denn häufig kommt der Schinken zusammen mit unzähligen Tapas auf den Tisch.

3 Antworten auf Jamón Ibérico

  1. Konstanze sagt

    Der Hunger auf den Jamón kommt schon beim Lesen. Solche Köstlichkeiten gibt unsere Speisekammer nicht her.

  2. InnererSchweinehund sagt

    Es gibt Bilder wie dieses, die rufen in mir den Wunsch hervor, viel weniger Fleisch zu essen, auch wenn selbiges immer wieder schwach wird. Auch wenns sicherlich lecker war. Gruss InnererSchweinehund

  3. Andreas sagt

    Ja, der Anblick ist etwas eigen. Aber gewisse Hemmungen zu überwinden, um eine neue Freude zu entdecken, ist auch Teil des Genuss’…

Schreibe einen Kommentar