Sarah Wiener

Sarah Wiener, Hamburger Bahnhof

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Nach dem Brötchenschmieren vor die Kamera

Zuletzt bin ich in Berlin dann auch noch einmal essen gegangen. Nach einem Besuch im Hamburger Bahnhof, wo mir vor allem die Ausstellung von Roman Signer gefiel, der sich selbst mit Raketenantrieben und Feuerwehrlöschern in Szene setzt und dabei filmt, machten wir Pause im „Restaurant Sarah Wiener“. Die Patronin dürfte aufmerksamen Fernseh-Zuschauern ja inzwischen leidlich vertraut sein: zuletzt war sie bei Kerners Köchen, mit einer eigenen Kochshow auf arte, bei „Wetten, dass..?“ und bei Alfred Biolek zu sehen.

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Angefangen hat sie einst mit einem Catering-Service für Filmproduktionen. Dankbar werden Schauspieler, Maskenbildner, Kameraleute oder Beleuchter ihre bodenständige, österreichisch angehauchte Küche angenommen haben – was man sonst am Set vorgesetzt bekommt sind allzu oft traurige Frikadellen, Bockwürste und herzlos geschmierte Stullen. Für die Kreativen sicher kein Quell der Inspiration und für die Produktionsgesellschaften nur allzu oft ein Posten, bei dem sich noch ein Euro einsparen lässt.

Inzwischen hat die fröhliche Wienerin dem Film den Rücken gekehrt und betreibt in Berlin mehrere eigene Restaurants, in denen sie selbstverständlich nicht mehr selbst kocht. Dafür hat sie ein Rudel Köche, mit denen sie versucht ihren unstillbaren Hunger in den Griff zu bekommen. Das „Restaurant Sarah Wiener“ im Hamburger Bahnhof ist eigentlich mehr ein Bistro oder ein klassisches Museums-Café. Im Saal herrscht laute Betriebsamkeit, Kinder toben sich in ihren Malbüchern aus und ältliche Damen aus dem Kulturbetrieb finden Gelegenheiten, schon zur Mittagszeit mit dem einen oder anderen Glas Schaumwein ihre nervösen Seelen zu beruhigen.

Wir bestellten „Saltimbocca von der Forelle“ und „Schwammerlstrudel“, kleine Happen, um die Neugier und den Bauch zu befriedigen. Wenn sie auch offensichtlich vorbereitet waren und nicht auf die Minute zubereitet wurden, was bei Preisen um 10 Euro sicherlich zu verzeihen ist, waren beide Gerichte gelungene Kreationen. Zu den Forellenfilets, die mit einer Scheibe Schinken gebraten worden waren, gab es eine Kugel Gorgonzola-Eis, die zur zusätzlichen Belustigung auch noch mit Prickelpulver bestreut war. Geschmacklich interessant, doch stellte sich nach dem dritten oder vierten Löffel der eiskalten Crème ein gewisser Widerwille gegen diese Käsekreation ein.

Der Pilzstrudel kam klassischer daher. Saftige, aromatische Pilze einer unbekannten Sorte, gebacken in einem knusprigen Strudelteig und dann auf einen Salat gelegt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis beider Gerichte war ausgesprochen gut. Was die Weinkarte hergibt, haben wir, anders als die Kulturtanten neben uns, so früh am Tag noch nicht zu testen gewagt.

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