Ein Rezept mit Kastanien

Kastanien tragen das Präfix „edel“ zurecht. Zart und luxuriös, aber auch anspruchsvoll und eigensinnig sind die braunen Nüsse. Es braucht ein bisschen Fantasie, um ein passendes Rezept zu finden, doch am Ende steht eine cremige Delikatesse.

Oh es ist wieder Kastanienzeit! Und was für eine: Die Bäume tragen reichlich, das Jahr brachte eine gute Ernte. Aber was soll man nur machen, mit acht oder zehn Kilo Kastanien? Natürlich kann man sie verschenken, denn jeder, der den Winter kennt, röstet gerne Kastanien (im Ofen oder in der Pfanne). Kinder lieben sie, und Erwachsenen wärmen die kleinen Kugeln nicht nur die Hände, sondern auch das Herz.

Kastanien

Doch Maroni einem höheren Zweck zuzuführen ist eine schwierige Aufgabe. Die kleinen Kugeln sind sich selbst genug und lassen sich nur schwer kombinieren. Der Grund dafür ist eine Charakterfrage. Sie sind ein wenig herb, ein wenig süß und voller Stärke, da sollten sie sich eigentlich zum Backen eignen … Doch dank der eigenwilligen Zusammensetzung wird jedes Gebäck bitter und hart wie Stein. Das norditalienische Castagnaccio ist das einzige leidlich brauchbare Rezept für ein Kastanienbrot. Dabei wird den Kastanien Rosmarin zur Seite gestellt. Doch es taugt allenfalls als gut gemeinte Beilage.

Ein bessere Idee, ist es die Stärke-Bomben mit etwas Sahne zu bändigen. In einer Crème können sie ungezwungen ihr zartes Aroma entfalten, behalten ihre angenehme Textur und die Stärke zerbröselt nicht, sondern geht im Schmelz der Soße auf. Doch wofür können wir so eine Soße brauchen? Wer an Pasta denkt, der folgt der richtigen Idee. Und weil dort, wo die schönsten Kastanien wachsen, in den Tälern Südtirols, auch herrliche Steinpilze gedeihen, fällt die Wahl auf Steinpilz-Tortelini. Auch die Pilze sind fein-aromatisch und ein wenig herb. Beides verträgt sich bestens.

Das Rezept ist denkbar einfach. Für eine Vorspeise für vier Personen (d.h. eine Hauptspeise für zwei) kochen wir 10 Kastanien in Wasser, bis sie fast gar sind. Das dauert nur gerade einmal 10 Minuten. Vorher muss man die Haut kräftig einritzen, damit sie gut zu schälen sind. Nach dem Kochen pellen wir sie (solange sie noch heiß sind, das heißt sofort) und stellen sie in einer Schüssel beiseite. Nun dünsten wir zwei gehackte Schalotten in einer tiefen Pfanne in etwas guter Butter weich und löschen die Zwiebeln dann mit 300 ml Sahne ab. Wir würzen nur mit Salz und schwarzem Pfeffer. Der herbe Geschmack lässt sich mit einem Spritzer Zitronensaft gut bändigen, und ein kleiner Schuss Sherry wird sicherlich auch nicht schaden.

Während im Hintergrund die Steinpilz-Taschen erhitzt werden (am besten die guten vom Pasta-Stand auf dem Wochenmarkt, die Dinger aus dem Supermarkt schmecken aber auch), kommen nun die Kastanien in die Soße. Es macht nichts, wenn manche ein wenig zerbröselt sind, in der Soße fühlen sich auch die pudelwohl. Vorsichtig lassen wir die Crème jetzt noch drei, vier, fünf Minuten leise kochen, bis alle Kastanien weich sind. Ist die Soße zu dick, gießen wir noch einen Schluck Wasser dazu. Schließlich kommen die abgetropften Nudeln dazu und dürfen noch zwei Minuten in der Soße ziehen.

Zusammen ist das ein Gericht für Feinschmecker. Wer einen Kastanienbaum hat, wird damit seine Gäste verrückt machen. Und wer keine eigenen Kastanien hat, der kann sie sich in den kommenden Wochen kaufen, und sich damit ein bisschen Herbststimmung nach Hause holen. Denn die Saison fängt gerade erst an.

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