Pret A Diner, Berlin

Nur ein paar Wochen lang wird in der „Alten Münze“ in Berlin Essen serviert. In dieser Zeit will das temporäre Restaurant alles sein, aber vor allem aufregend. Zunächst hätte man sich vielleicht auf eine solide Küche konzentrieren sollen.

Der Style ist wichtig. Das merkt jeder Gast noch, bevor er seinen Mantel abgegeben hat. Man wird durch einen langen Kellergang geschleust, vorbei an leeren Tresorräumen und Künstlern bei der Arbeit. Treppauf, treppab, durch betonkalte Räume, die den Flavour der Berliner Szene vermitteln sollen. Das Restaurant selbst liegt wieder ebenerdig, nur fünf Meter Luftlinie vom Eingang entfernt.

Der bekannte Gastro-Unternehmer Klaus-Peter Kofler installierte das Pret A Diner unweit des Roten Rathauses in einem klassischen Berliner Leerstand. Nach eigenen Angaben ist es ein Zuschussgeschäft, denn er betreibt das Restaurant als „Visitenkarte“ für sein Unternehmen. Von einer schwarzen Null dürfte er allerdings nicht allzu weit entfernt sein: Bei unserem Besuch waren alle Plätze besetzt, und das bei zwei Services pro Tag, um 19 Uhr und um 22 Uhr. Abweichende Reservierungen werden nicht angeboten.

Die Speisekarte, ein umfangreiches Konglomerat aus Bildern und Texten, wurde liebevoll gestaltet. Doch der eigentliche Inhalt, das Menü, liest sich zu kompliziert, weil es in einem verschwurbelten Englisch abgefasst wurde. Das klingt zum Beispiel so: „breaking up in nam xam – the tofu scents betrayal behind a shimeji’s ear“. Ein poetisches Versprechen, das die Gerichte selten halten konnten.

Das Menü nach Gastkoch Bernhard Munding versuchte, humorvoll asiatische und traditionelle Elemente gegeneinander in Stellung zu bringen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kamen die Gänge aber eher unspektakulär daher. Eigene Gedanken waren kaum zu erkennen, keine Kreation, die der lauten Selbstdarstellung gerecht geworden wäre. Einzig die Blumenkohlcreme mit Flusskrebsen war außerordentlich schmackhaft. Das vegetarische Hauptgericht, ein süßsaures Gemüseragout hätte jedoch selbst in einem Thai-Restaurant niemanden vom Hocker gehauen. Sein carnivores Äquivalent, eine geschmorte Ochsenschulter mit Püree, war zwar schmackhaft aber ziemlich bieder.

Als Nachtisch wurden Wantan aus Schweinefleisch serviert, was man mit etwas gutem Willen als originell bezeichnen könnte – oder auch als eine verunglückte Pointe. Leider war daneben auch noch der Service überfordert, was man uns auch ungefragt wissen ließ. Der Wein, ein Spätburgunder und auf den Namen des Patrons gelabelt, kam viel zu kalt und wurde während des Essens auch nicht mehr besser.

Selbst bei der Musik wurde gemixt wie in der Happy Hour: Bach, Schlager und halbherzige Elektronummern wechselten sich unvermittelt ab. Man mag das ein offenes Konzept nennen oder eben geschmacklos. Der Stil und die Handschrift eines Küchenmeisters lassen sich eben nicht durch das Tamtam einer aufgeregten Eventgastronomie ersetzen. Sollte dies eine Visitenkarte für Herrn Kofler gewesen sein, dann kann man sie getrost in irgendeiner Manteltasche vergessen.

Pret A Diner
Am Krögel 2
10179 Berlin
Reservierungen über
pretadiner.com oder opentable.de

Bild Kofler & Kompanie

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