Pho Bo, vietnamesische Suppe

Vietnamesische Suppe Pho BoFür einen Besuch im Dong Xuan Center muss man in den Teil von Berlin, in dem die Altbauten so selten sind wie gutes Essen an einer Autobahnraststätte. Hier in den Randbezirken des alten Ostens, pfeift der Wind über den Verkehr hinweg. Es gibt nichts, an dem sich das Herz festhalten kann. Die Straßen sind breit und ohne Ziel. Nazis veranstalten Konzerte, über die sich niemand beschwert. Es ist keine Freude, hier fremd zu sein.

Auf einer der vielen industriellen Brachen, wo früher Kohle zu elektronischen Bauteilen verarbeitet wurde und noch früher von Siemens medizinische Messgeräte hergestellt wurden, stehen heute die großen, modernen Hallen des eigentümlichsten Einkaufszentrums von Berlin. An der Herzbergstraße stehen keine Arcaden oder Passagen, dies ist keine Galerie. Dies ist die Symbiose eines südostasiatischen Basars mit den Überresten der sozialistischen Planwirtschaft. In einem halben Dutzend riesiger Hallen gibt Lebensmittelmärkte, chinesisches Mobiliar, billige Kleidung und bunte Plastikware. Dazwischen zwängen sich Friseursalons, Nagelstudios und Spielhallen. In den umliegenden Gebäuden haben sich vietnamesische Rechtsanwälte, Ärzte und Fahrlehrer niedergelassen.

Natürlich kann man hier auch vietnamesisch essen. Sehr gut essen. Denn hier gibt es die authentische Variante der Vietnamesischen Küche. Das wird für den westlichen Gaumen allerdings manchmal zum Abenteuer. Die Rindfleischsuppe Pho Bo ist da eher eines der unscheinbareren Gericht. Sie ist angelehnt an dem Pot-Au-Feu der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, eine klare Rinderbrühe mit Minze und Koriandergrün, gesottener Rinderbrust und soviel Chili wie man ertragen kann. Dazu kommen ein paar Spritzer Limonen- oder Zitronensaft, weil die Vietnamesen in ihrer Küche die Frische lieben.

In den Supermärkten werden Karpfen und Krabben verkauft. Viele Tiere klettern oder schwimmen in Bassins bevor sie mit herzhaften Schlägen zu Portionen zerhackt werden. Das deutsche Empfinden für Hygiene, Tierschutz oder Appetitlichkeit sieht sich mit der harten Realität des Schlachtbetriebs konfrontiert, doch die Tellergerichte in den Restaurants wischen die Zweifel fort.

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