Möhren-Kartoffel-Salat

Gut 50 Jahre nach dem letzten Hungerwinter wird es langsam vegetarisch in Deutschlands feinen Küchen. Auch wer es deftig liebt wird sehen: Es geht auch ohne Speck und Mayo!

Seit Gerhard Schröder ist die Currywurst politisch aufgeladen. Im Vorbeigehen machte der Laune-Kanzler aus der schlichten Sättigungsware ein Symbol der nationalen Einheit. Damit schaffte er etwas Verbindendes, während die Solidarität der Arbeiterklasse ihren letzten Atemzug tat. “Mit extra Curry” oder “mit Blattgold” darf sich der Genosse seither fragen, und behält dabei die Gewissheit, sich in jedem Falle richtig zu entscheiden. Denn vor der Wurst sind alle Bürger gleich.

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Wer den Verzehr einer Currywurst tatsächlich für Genuss hält, dem dürfte auch der Anblick von Claudia Roth ein warmes Zwirbeln in die Lenden pumpen. So wie Friedbert Pflüger, der – ein neues Indiz für die Sozialdemokratisierung der Republik – seine Portion gerne in Anwesenheit der Grünen-Bundesvorsitzenden einnimmt.

Nein! Currywurst ist geschmacklos, da mache ich keine Kompromisse. Das Gleiche gilt für Kartoffelsalat, der zusammen mit seinem ständigen Begleiter Knackwurst Jahr für Jahr an Weihnachten deutsche Festtafeln heimsucht. Als Urheber von so viel kalorienschwerer Niedertracht fallen mir nur die Nazis ein. Wer sonst kommt auf die Idee, eine Weihnachtsgans durch gepresste Fleischreste zu ersetzen?

Es ist Tradition, von mir aus. Aber der letzte Hungerwinter liegt 50 Jahre zurück. Es ist höchste Zeit, sich den Zutaten mit etwas mehr Liebe und Zuneigung zu nähern, und das Glück in der Verfeinerung zu suchen, statt in der Befriedigung eines einzelnen, schlichten Triebes. Also ersetzen wir den Speck durch frische Möhren, statt Zwiebeln nehmen wir Rauke und anstelle der Mayonnaise Walnussöl und einen Spritzer Zitronensaft.

Für diese schmackhafte Variante koche ich einige geschälte Kartoffeln in stark gesalzenem Wasser gar. In der Zwischenzeit gebe ich dann etwas Öl in einen mittelgroßen, heißen Topf. Dort hinein streue ich einen knappen Teelöffel Zucker und beobachte, wie er langsam zu Karamell wird. Ist dies der Fall, kommen die Karotten hinein, die ich geschält und in Stücke geschnitten habe, die etwa so groß wie mein kleiner Finger sind. Ich würze mit Salz und Pfeffer, rühre alles kräftig durch und decke den Topf mit dem Deckel zu, damit die Karotten im eigenen Dampf garen. Dadurch werden sie besonders aromatisch. Am Ende sollen sie bissfest sein, aber nicht knackig.

Die abgegossenen Kartoffeln schneide ich in Scheiben und gebe sie mitsamt den Karotten und dem kräftigen Karottensud in eine Schüssel. Dort vermische ich sie vorsichtig mit einer Handvoll Rauke, die ich gewaschen und klein gehackt habe, außerdem mit einem kräftigen Schuss Walnussöl und etwas Zitronensaft. Dazu kommen vielleicht noch einige Späne Parmesan, wenn sich im Kühlschrank gerade ein Stück findet. Ich würze mit Salz und frischem Mühlenpfeffer und lasse dann den Salat einige Minuten ziehen. Schließlich kommt er lauwarm auf den Tisch, was ihn besonders appetitlich macht. Das Ergebnis ist ein leichter, und bei entsprechender Portionierung gleichsam sättigender All-Wetter-Salat, der auf jeder Weihnachtstafel reüssieren würde. Wer davon einmal gekostet hat, wird auf der nächsten Party das Buffet aus mayonnaiseschweren Kartoffel- und Nudelsalaten ignorieren und sich statt dessen mit dem Bier in der Hand eine bessere Welt herbei trinken.

Eine Antwort auf Möhren-Kartoffel-Salat

  1. Vera sagt

    Der Salat sieht wirklich ganz gut aus. Bekommt man doch gleich wieder Appetit drauf.

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