5-Minuten-Terrine

5 Minuten Terrine

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Ob Tiefkühlpizza vor dem Fernseher, Falafel unterwegs, McDonalds an der Autobahn – Fastfood begleitet uns jeden Tag. Das kann man wohl nichts machen, oder? Doch! Mach Dir ein paar Gedanken. Bewusster Konsum ist das Stichwort.

Eines meiner Laster ist der gelegentliche Verzehr von Fertiggerichten. Dazu gehörte auch die 5-Minuten-Terrine, bevorzugt „Spaghetti Bolognese“, von Maggi. Erst seit ich mit Dutzenden davon die Zeit nach der Extraktion meiner Weisheitszähne überbrückte, mag ich sie nicht mehr so recht. Doch gestern habe ich mich nochmal aufgerissen. Um ihr auf den Grund zu gehen.

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Eigentlich bin ich wählerisch, wenn es um meine Ernährung geht. Der Grund, warum ich hier eine Ausnahme mache, ist ein traditioneller: Als Kind haben wir samstags im Wohnzimmer auf den Kissen gelegen, „Krimi am Samstag“ im Radio gehört und dazu nach einer rituellen Technik 5-Minuten-Terrinen gelöffelt. Dieses Vergnügen wirkt bis heute nach, so dass ich dabei keinerlei innere Ablehnung verspüre.

Der erste Eindruck ist natürlich die Optik. Ich habe eine ganze Reihe Fotos gemacht, darunter auch einige vom zubereiteten Produkt. Die Bilder waren allerdings so unappetitlich, dass ich an dieser Stelle die Terrine angezogen lasse und im Sinne der Leser auf das nackte Grauen verzichte. Man kann sich das Bild unschwer vorstellen: ein schleimiger roter Pamps mit Nudeln und verschiedenfarbigen Stückchen drin.

Wenn man den Becher öffnet, liegen im Innern zunächst gekrümmte, dünne Nudeln in einem Häufchen von fettigem, roten Pulver. Was sind das für Nudeln, die in 5 Minuten gar ziehen? Sie sind hohl, damit die Flüssigkeit mehr Angriffsfläche hat. Außerdem sind sie, genau wie das „Gemüse“ (Karotten, Zwiebeln und Sellerie), vorgekocht und dann gefriergetrocknet. Die so behandelten Zutaten müssen nicht mehr garen, sondern sich lediglich mit heißem Wasser vollsaugen um essbar zu werden – dieser Vorgang ist es, der die besagten „5 Minuten“ dauert.

Würde man nun Spaghetti Bolognese aus den klassischen Zutaten herstellen, die alle vorher gefriergetrocknet wurden, würde man eine kranke, laffe Grausuppe erhalten, ein unbefriedigendes, nach Verwesung riechendes Wasser. Diese Erkenntnis beschäftigt die Nahrungsmittelindustrie seit langem. Also wird getrickst. Weit oben auf der Zutatenliste findet sich Mononatriumglutamat, ein Klassiker unter den Zusatzstoffen. Er sorgt dafür, dass der Geschmack deftiger wird. So werden jene Aromen ersetzt, die das kastrierte „Rindfleisch“ und die pulverisierten Tomaten nicht mehr beisteuern können. Heute nehmen wir es mit fast jeder Tüte Chips und mit fast jedem Fertiggericht zu uns, was laut aktuellen Forschungsergebnissen unter anderem zu Fettleibigkeit und verschiedenen neuronalen Erkrankungen führen kann.

Direkt dahinter, noch vor „echten“ Zutaten wie Salz und Zucker, kommen die Aromen. Weil sie (aus guten Gründen) auf der Verpackung nicht detailliert aufgelistet werden, müssen wir hoffen, dass sie nicht allzu unappetitliche hergestellt werden. Denkbar sind beispielsweise das Butteraroma Diacetyl (hergestellt aus Milchsäurebakterien), Sojaproteine, Stoffwechsel-Produkte von Schimmelpilzen und vieles andere. Auch Hefe-Extrakt, „Speckfett“, Knoblauchpulver und Gewürz-Extrakte steuern ihre Geschmacksstoffe bei. Weizenmehl, Stärke und Maltodextrin machen die „Tomatensoße“ dicker und geschmeidiger. Bleibt zuletzt noch die Problematik mit dem Fett. Öl ist flüssig, also muss es für die Terrine zunächst gehärtet werden. Dabei entstehen die unbeliebten Transfettsäuren, die bekanntermaßen dem Herz-Kreislauf-System abträglich sind.

Soweit meine laienhafte Analyse. Das alles sollte man sich plastisch vorstellen. Riesige Tanks, riesige Fabrikationsstraßen, riesige Chemiewerke, und dazwischen weißbekittelte Chemiker mit Schutzbrillen, die die Bausteine für unser Mittagessen herstellen. In den Fabriken finden sich Tomaten allenfalls auf dem Frühstücksbrot des cholesterinbewussten Vorarbeiters. Wie sich das alles geschmacklich auswirkt, brauche ich nicht zu beschreiben. Fertig eben.

Es ist Zeit für mein Mittagessen. Heute gibt es mal wieder türkisch. Ich laufe zehn Minuten bis ich bei „Doy Doy“ in der Weidengasse bin, warte dort zehn Minuten auf mein Essen und zahle den zehnfachen Preis einer 5-Minuten-Terrine. Dafür bekomme ich echtes Gemüse, echtes Fleisch, echten Reis und echte Freundlichkeit. Kittel tragen die Köche hier übrigens auch, aber da enden die Gemeinsamkeiten auch schon …

Eine Antwort auf 5-Minuten-Terrine

  1. Josh sagt

    Sehr nützlich! Allerdings wird die Rezeptur imho ziemlich häufig variiert. Zumindest scheint es mir so, als habe sich in den letzten Jahren der Geschmack ziemlich verändert. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber ich habe inzwischen genug von den Dingern.

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