Michael Schmidt: Lebensmittel

Austellung Lebensmittel, Michael SchmidtDass sich in den Supermärkten die Unappetitlichkeiten stapeln, ist ja längst kein Geheimnis mehr. Und trotzdem reagiert die Öffentlichkeit auf die Art, wie Michael Schmidt die Realität unserer Ernährung abbildet, mit überraschender Lautstärke: „Ihh“, „buuuhh“, „bäähh“ schreien die Journalisten. Und zwei Seiten weiter liegt – wie immer – die Schweinebauch-Anzeige in der Zeitung. So funktioniert die Welt.

Die Grundlage der öffentlichen Ernährung sind Bierwurst-Konserven und Bockwurst, spanische Tomaten und billige Milch. Erstaunlich, dass man mit deren Abbildung so eine Resonanz erzeugen kann. Denn längst haben uns doch die jährlichen Skandale die denaturierte Realität vor Augen geführt.

Wenn man auf Schmidts Bildern Menschen entdeckt, dann sieht man sie nur von hinten. Es scheint, als würden sich die Produzenten für ihre Erzeugnisse schämen. Recht so. Gezeigt werden Obst und Gemüse aus dem Supermarkt, Fleischprodukte, Plastik, Cellophan und Styropor, Gewächshäuser, Aquakulturen, entstellte Landschaften. Stilistisch geht die Reise von bunten Makro-Aufnahmen bis zu epischen, grauen Landschaften. Michael Schmidt hat das Essen in seinen Bildern so weit abstrahiert, dass garantiert kein Appetit aufkommt. Die richtige Ausstellung für die Fastenzeit.

Michael Schmidt – Lebensmittel
Schloss Morsbroich, Leverkusen
04. März 2012 – 13. Mai 2012
Alle Infos zur Ausstellung

PS. Wer sich für das Thema interessiert, der sollte mal bei Martin Parr einen Klick wagen. Der britische Fotograf beschäftigt sich schon seit Jahren mit den bunten Stilblüten industrieller Ernährung. Funky.

Bild Michael Schmidt

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