Lebensmittelklarheit

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Die Internetseite Lebensmittelklarheit.de hat eine eindeutige Zielgruppe: den Steuerzahler. Der Konsument, für den die Seite eigentlich ein Forum bieten sollte, ist weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen wird er systematisch bevormundet.

Natürlich trommelt der Bundesverband der Verbrauchzentralen jetzt gewaltig: Das Großprojekt Lebensmittelklarheit.de ist ein Erfolg. Ein Erfolg! Viva Verbrauchenzentrale! Wunderbar öffentlichkeitswirksam ging zum Start im Juli der Server in die Knie. Doch von einem Besucherandrang ist beim Content der Seite nicht viel zu erkennen: Bisher finden sich erst 24 Produkt-Besprechungen auf den Seiten. Das sind nur vier mehr, als zu Beginn des Projektes vor einem Monat. Zum Vergleich: Ein normaler Supermarkt hat zehntausende Produkte im Sortiment.

Regale im Supermarkt

Bild lyzadanger (CC-BY-NC)

Dabei sind die Macher eigentlich angetreten, mit den besorgten Konsumenten zu kommunizieren. Das Ergebnis ist eine Handvoll von Schein-Dialogen. Inhaltlich geht es dabei um Packungsgrößen, zu viel Zucker, Hefeextrakt oder Säfte mit zu geringem Fruchtanteil, alles gut diskutierte und lange bekannte Themen. In den redaktionellen Texten äußert sich derweil eine recht zaghafte Haltung. Und um potentielle Risiken der eigenen Kommunikation weiter zu reduzieren, hat am Ende die Industrie gleich selbst das letzte Wort. In einem eigenen Kästchen dürfen die PR-Strategen der Unternehmen zum Schutz ihrer Produkte Stellung beziehen.

Hinweise auf die im Vorlauf viel beschworene Bürgerbeteiligung finden sich derweil kaum. Eigentlich wollte man ein offenes Forum schaffen, einen Ausgleich für die Lebensmittelampel, die gewiefte Lobbyisten erfolgreich verhindert haben. Das Ergebnis ist jedoch eine Internetseite, die so undurchsichtig ist, wie die Ostsee während der Algenblüte. Von den Autoren offenbart keiner seinen Namen, geschweige denn sein Gesicht.

Stattdessen gibt es eine Kontaktmaske und den Hinweis, dass die Chat-Funktion derzeit nicht bereitsteht. Ein öffentlicher Chat? Das ist ziemlich altmodisch. Statt moderierter Gespräche benutzt man doch heute üblicherweise Twitter oder echte Online-Foren. Aber das brächte das für die Verbraucherzentralen möglicherweise einen entscheidenden Nachteil mit sich. Für eine Organisationen die unmittelbar von öffentlichen Geldern abhängen, ist das Monopol auf die Vertretung ihrer Klienten das Fundament der Existenz. Eine Öffnung der Strukturen würde den Verlust von Einfluss bedeuten, und damit ihre Legitimation gefährden.

Mit Lebensmittelklarheit.de nutzen die Verbraucherzentralen vor allem sich selbst. Die 1,5 Millionen Euro, die die Seite die öffentliche Hand kostet, hätten ein umfassendes Produkte-Wiki finanzieren können, inklusive eines moderierten Online-Forums, einer Smartphone-App und juristischer Begleitung. Aber soviel transparenz ist nicht gewollt. Denn die aufgeblasenen Strukturen würden der Verbraucherzentralen würden dadurch womöglich in ihrer Existenz gefährdet. Allein die Verbraucherzentrale NRW erhält 31 Millionen Euro pro Jahr. Und die Beratung der Bürger lässt man sich gesondert bezahlen.

Dass man mit weniger Mitteln mehr bewegen kann, zeigt die Nahrungsmittel-NGO Foodwatch, mit Thilo Bode an der Spitze. In den neun Jahren ihres Bestehens hat sie mehr für die Qualität der Lebensmittel erreicht, als die Verbraucherzentralen in Jahrzehnten. Dabei verzichtet Foodwatch ganz auf öffentliche Gelder. Über Lebensmitteklarheit.de wird hingegen in spätestens zwei Jahren wird niemand mehr darüber ein Wort verlieren. Aber das macht auch nichts. Denn dann ist das Budget verbraucht und das Projekt hat seinen Zweck erfüllt.

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