Bild Jean&Nathalie
Gorki Park, Berlin
Schlechter essen in der Hauptstadt
Es muss sein, es ist meine Pflicht als Kritiker: Mein erster Verriss. Es war am Ende eines Neujahrsspaziergangs. Mit nassen Füßen liefen wir umher, der Alkohol und die Erlebnisse der Nacht steckten und noch in den Knochen. Es dämmerte schon und wir wollten nicht mehr als einen Tee trinken. Das Café im Weinbergspark schien uns zu bieder, also stapften wir weiter, die Straße hinunter, hinein ins Verderben. Das “Gorki Park” sah auf den ersten Blick heimelig aus. Ein einzelner Tisch für vier war im Nebenraum auch noch frei. Nur der Sowjet-Kitsch an den Wänden war auffallend lieblos drapiert.
Im folgenden entpuppte sich der Laden als eine echte Touristenfalle. Die Kellnerin ließ sich in den ersten zehn Minuten gar nicht blicken. Dann brachte sie gestresst (und offensiv Kaugummi kauend) Getränke an einen Nebentisch und bedeutete uns, dass sie gleich wiederkommen würde. Dort zog inzwischen der junge Gast angeekelt den Löffel aus seinem Tee. Etwas eingetrocknetes, weißes klebte noch daran. Als die Kellnerin wieder kam nahm sie den Tee – ohne Entschuldigung! – wieder mit und schließlich unsere Bestellung auf. Es verging etwa eine Stunde bis wir unsere Getränke hatten. Doch Frude kam nicht auf. Die Gläser und Tassen sahen aus, als wären sie mit Spucke gespült worden und ich bekam die abscheulichste Heiße Zitrone meines Lebens vorgesetzt. Irgendetwas instant-mäßiges, bitter und bäh.
Währenddessen bestellten andere Gäste fleißig russische Gerichte von der Karte. Ich bedauerte sie, hatte aber nicht den Mut sie zu warnen. Wir wollten so schnell wie möglich gehen und ließen unsere Getränke halb ausgetrunken stehen. Auf dem Weg zum Ausgang kamen wir an der Spülküche vorbei. Sie war nicht zu übersehen: In dem etwa zwei Quadratmeter großen Raum stapelte sich das schmutzige Geschirr am Boden und alles war verklebt mit Essensresten, begleitet von einem entsprechenden Geruch. Die Wirte scheinen sich dafür nicht zu schämen, denn eine Tür gibt es hier nicht.
Der Abschied der Kellnerin war zuletzt das Gegenbeispiel von Gastfreundlichkeit. Vielleicht war es der Feiertagsstress, vielleicht war der Küchenjunge verkatert oder gar nicht zum Dienst erschienen, die Spülmaschine kaputt oder aber einfach zu viel los. Alles ganz egal, die Verkettung solcher Ekelhaftigkeiten, Pampigkeiten und Geschmacklosigkeiten macht diesen Laden zu einer Tabuzone für jeden geschmacks- und gesundheitsbewussten Gast. Infektionsgefahr!
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« Sarah Wiener | Pappa E Ciccia, Berlin »




