Der Wein zum Fest

Chateau Giscours 1964

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Die Feiertage liegen nun hinter uns. Für die meisten Leser, und so auch für mich selbst, sind sie das große Jahresfest des Fressens. Nicht umsonst steigen die Preise für Delikatessen auf den Wochenmärkten ab Mitte Dezember deutlich an. Stopfleber, Trüffel, feiner Schinken, Rinderfilet, Austern und Bressehühner werden so begierig aufgekauft, wie sonst nie im Jahresverlauf.

Es ist eine Freude, zu dieser Gelegenheit auf einen großen Weinkeller zugreifen zu können, in dem Bordeaux‘ aus vier Jahrzehnten liegen. An Heiligabend schöpften wir aus dem Vollen: Chateau Giscours 1964. Die Fachliteratur bereitete uns auf einen Hochgenuss vor, doch die Spannung, beim Öffnen von so alten Weinen lässt sich auch durch die Lektüre von Parker und Co. nicht mindern.

Der erste Augenblick beim Öffnen der Flasche war ein Schock. Der Korken zerbröselte schon beim vorsichtigen Versuch ihn heraus zu ziehen. In der Mitte klaffte ein Loch, und drum herum saß der Verschluss so fest wie eh und je. Doch auch wenn es sich um edle, feinfühlige Tropfen handelt, sind sie doch robuster als man gemeinhin annimmt. Schlimm wäre es gewesen, wenn der Korken schon während der Lagerung seinen Dienst versagt hätte – dann wäre Sauerstoff an die Flasche gekommen, der Wein wäre zu Essig geworden.

Was nun folgte wird man sicher in keinem Handbuch für Sommeliers entdecken, es hat uns aber eine kostbare Flasche gerettet. Ich fummelte zunächst den Korken ganz heraus und goss dann den gesamten Inhalt in ein Litermaß. Dann spülte ich die Flasche gut aus und ließ sie abtropfen. Als das geschehen war, goss ich den Wein, der inzwischen sicherlich mehr als genug Zeit zum Atmen hatte, mittels eines Trichters und eines Siebs in die alte Flasche zurück.

Der Duft, den der Wein bei dieser Aktion verströmte, stimmte hoffnungsfroh – eine frische Weinnote, als wäre es ein junger Italiener und eine süße Tiefe, wie von einem frischen Obstkorb. Ein Volltreffer. Wir stellten den Wein beiseite und ließen ihn noch einmal zur Ruhe kommen, bis er nach der Bescherung seinen großen Auftritt hatte. Dazu gab es übrigens eine gemischtes Fondue, von dem ich vielleicht später berichten werde.

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