Brot aus dem Kochtopf

Brot aus dem Kochtopf
Vielen Köchen versagen die Nerven, wenn es um Brote und Kuchen geht. Temperatur, Zeiten und Mengen – alles muss präzise stimmen. Doch mit diesem Rezept gelingen auch den kreativen Küchen-Anarchisten knusprige und aromatische Laibe. Hol den Kochtopf raus, wir backen!

Kochen oder backen? Das ist eine Charakterfrage, wie bei den Besitzern von Hunden oder Katzen. Wer gerne kocht, der neigt zur Improvisation, zum schnellen Arbeiten. Bäcker gehen geordneter vor: Die Zutaten, die Zeiten die Temperatur des Ofens – all das wird präzise bestimmt und gemessen. Dazu kommt, dass man Vorräte vorhalten muss. Eine Familie ohne Kartoffeln und Nudeln satt zu bekommen ist kein Zauberwerk. Ohne Mehl ein Brot zu backen, ist hingegen ein Ding der Unmöglichkeit.

Brot aus dem Kochtopf

Mit diesem Backrezept wird alles anders. Das Rezept ist so einfach, dass es jeder kann. Als Zutaten braucht man allein

• 400g Mehl (sehr gut eignet sich Typ 1050)
• 360ml Wasser
• 1½TL Salz
• ¼TL Trockenhefe

Und sonst nichts. Bis auf die Trockenhefe hat man also alles im Haus.

Man vermengt alle Zutaten mit den Händen grob in einer Schüssel, sodass sie sich verbinden, deckt die Schüssel zu und lässt sie 12 bis 18 Stunden stehen. Ich weiß nicht genau, was bakteriell in dieser Zeit stattfindet, aber es führt dazu, dass das Mehl seinen schalen, leeren und faden Geschmack verliert und ein volles, malziges Aroma bekommt. Hier liegt auch die Antwort auf die Frage, warum ein selbstgemachter Pizzateig so oft eine Enttäuschung ist. Oft fehlt Salz, aber vor allem muss der Teig fermentieren!

Nach der Ruhezeit, am nächsten Tag, zieht der Teig lange Fäden. Man gibt ihn auf die bemehlte Arbeitsfläche, klopft in locker ein wenig flach aus und schlägt dann alle vier Ecken nach innen, sodass ein kompakter Klops entsteht. Diesen Klops kann man nun noch mit Mehl bestäuben oder von allen Seiten kräftig mit Körnern bestreuen, ganz nach Geschmack. Der Backofen heizt derweil auf Maximaltemperatur. 260° sind nicht zu wenig, 270° sind gerade recht. Auch der Topf selbst steht schon im Ofen. Er muss richtig heiß sein, wenn der Teig hinein kommt.

Brot aus dem Kochtopf, Krume

Küchentücher helfen nun bei der Arbeit und schützen die Hände, wenn wir den Teig in den heißen Topf bugsieren. Er hat ungefähr 20cm Durchmesser. Auch ein gusseiserner Bräter würde sich gut eignen. Der Teigklops kommt in die Mitte, dann kommt der Deckel drauf und alles zusammen kommt wieder in den heißen Ofen. So wird das Brot gut eine halbe Stunde gebacken. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit entwickelt im Topf eine fantastische Kruste. Die Wärme gelangt indirekt an das Brot und es kann nicht verbrennen. Damit imitiert man den Effekt der Schamottesteine, die in professionellen Öfen die Wärme verteilen.

Nach 35 Minuten nimmt man den Deckel ab, damit das Brot Farbe bekommt. Je nach Leistung des Ofens braucht es jetzt noch 10 bis 20 Minuten. Der Duft, der nun aus dem Backofen strömt, vertreibt die letzten Herbstgeister aus der Küche. Das fertige Ergebnis ist einfach begeisternd. Die Kruste ist knusprig und aromatisch, die Krume im Innern ist luftig und voll. Ein absolut sicheres Rezept für selbstgemachtes, frisches Brot. Die Kosten der Zutaten: 50 Cent. Supercooler Scheiß! Und der Beweis, dass Hund und Katze sich vertragen können.

Via NY Times

Eine Antwort auf Brot aus dem Kochtopf

  1. Calogero sagt

    Interessant. Danke sehr!

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