Tadao Ando, Taschen - Deli Dauerdienst
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    Bilder Taschen

    Tadao Ando: Ruhe
    und Entschlossenheit

    Wer kennt Mozarts Klaviersonaten in Gänze? Wer kennt alle Gemälde von Pieter Brueghel? Das Gesamtwerk eines Architekten ist nicht unbedingt übersichtlicher: Etwa 60 Entwürfe präsentiert die „Gesamtausgabe“ des japanischen Architekten Tadao Ando aus dem Taschen Verlag, dazu kommen Dutzende Einfamilienhäuser und kleinere Projekte – ein gewaltiger ästhetischer Fundus. Allein bis zur Fertigstellung der Langen Foundation, dem einzigen Ando-Gebäude in Deutschland, vergingen mehr als zehn Jahre. Man braucht viel Energie, reichlich Mitstreiter und einen langen Atem als Stararchitekt.

    Tadao Ando, das Gebäude x

    Nariwa Museum, Japan

    Dass Tadao Ando diese Ausdauer hat, beweist er freilich nicht nur durch seine Berufswahl. Auch die Entwürfe sind von einer ruhigen Entschlossenheit, die man gerne häufiger sehen würde (gerade in Deutschland, wo sich der Gestaltungswille allzu oft geschmacklosen Investoren und phantasielosen Verwaltungsbeamten unterordnen muss). Die mutigen Entwürfe verkörpern starke ästhetische Aussagen. Mit kraftvollen Linien schafft er Gebäude, die gleichermaßen den baulichen Anforderungen als auch dem emotionalen Umfeld – der Landschaft – gerecht werden (zum Beispiel beim Chikatsu Asuka Historical Museum). Dabei verweigert er sich keinesfalls neuen, industriellen Bauweisen. Schon bei seinen allerersten Wohnhäusern aus den frühen 70ern demonstrierte er seinen gekonnten Umgang mit Sichtbeton und hat damit das Stilmittel damit elementar geprägt.

    Tadao Ando, Portrait

    Tadao Ando

    Tadao Ando beherrscht die Kunst der Reduktion. Mit sparsamen Mitteln entstehen komplexe, vielschichtige Entwürfe, wie das House in Chicago, der Wohnkomplex Rokko Housing, der sich verschachtelt an einen Steilhang anlehnt, oder die Church of the light. Sie ist von außen nicht viel mehr als ein grauer Kubus, doch voller Raffinesse und mit einem Sinn für’s Licht erhebt er das Gebäude zu einem spirituellen Ort. Nicht umsonst hält der Designer Philippe Starck Ando für den letzten japanischen Mystiker.

    Wen interessiert da schon, dass Ando niemals Architektur studiert hat? Heute ist er einer der bedeutendsten Architekten der Welt, Träger der vier größten Architekturpreise und die Verkörperung japanischer Bauästhetik. Derzeit widmet sich der 71-Jährige dem Projekt Umi-no-Mori, der Neuerschließung einer ehemaligen Müllkippe in der Nähe von Tokyo. Auch in Deutschland gäbe es ästhetisch einiges zu reparieren. Aber ein Baumeister von diesem Format ist hierzulande leider nirgends zu erkennen.

    Dank an Philip Jodidio, dass er das architektonische Lebenswerk so großartig zusammengefasst hat.

    Ando. Complete Works 1975–2012
    Überarbeitete Neuauflage
    Philip Jodidio
    Taschen Verlag
    660 Seiten, 34,99 €

    Erschienen am 3. Juli 2012


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