Deli Dauerdienst - Übers Essen reden
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  • Pflaumenkuchen backen

    Now that’s a nice one. Der französische Schauspieler und Filmemacher Thomas Blanchard zeigt in diesem süßen Doo-Wop-Musikvideo, wie man einen gedeckten Pflaumenkuchen backt. Wenn also in Kürze die ersten violetten Steinfrüchte in den Geschäften liegen, kann man ganz entspannt die Musik und den Ofen aufdrehen und in der Küche 45 Minuten knutschen bis der Teig goldbraun und die Früchte weich und karamellig sind.

    Fingerlickin’ good!

    Erschienen am 31. Juli 2012   

    Essen / Übersicht | Permalink | Kommentieren


    Tom Waits, Chicago

    Zugegeben, viel passiert nicht in dem groovenden Shuffle, den Tom Waits mit seiner sechsköpfigen Band bei David Letterman auf die Bühne bringt. Die gleichen Akkorde, dieselben Lyrics, das gleiche Tempo über 3 Minuten 30 Sekunden. Doch allein, wie er in den Takt einsteigt, wie jede 32tel durch seinen Körper zuckt, bevor sie zur Musik wird, wie er mit seiner Stimme arbeitet und wie er seinen Hut anfasst: fantastisch! Der Maestro trinkt nebenbei seit Jahrzehnten keinen Alkohol mehr. Er lebt heute mit Frau und Kindern auf dem Land. Doch dem Hobo-Stil, den er einst mithilfe von Schnaps und Tabak entwickelte, ist er treu geblieben. Amerikanische Professionalität.

    Andere Stücke, die sich ebenfalls in langen Linien bewegen und dabei langsam und unaufgeregt eine große Tiefe entwickeln, sind zum Beispiel North von Phoenix, You Wish von Nightmares on Wax und Cafe de Flore von Doctor Rockit (Matthew Herbert). Ma’ reinhören!

    Erschienen am 11. Juli 2012   

    Musik / Übersicht | Permalink | Kommentieren


    Tadao Ando, xx

    Bilder Taschen

    Tadao Ando: Ruhe
    und Entschlossenheit

    Wer kennt Mozarts Klaviersonaten in Gänze? Wer kennt alle Gemälde von Pieter Brueghel? Das Gesamtwerk eines Architekten ist nicht unbedingt übersichtlicher: Etwa 60 Entwürfe präsentiert die „Gesamtausgabe“ des japanischen Architekten Tadao Ando aus dem Taschen Verlag, dazu kommen Dutzende Einfamilienhäuser und kleinere Projekte – ein gewaltiger ästhetischer Fundus. Allein bis zur Fertigstellung der Langen Foundation, dem einzigen Ando-Gebäude in Deutschland, vergingen mehr als zehn Jahre. Man braucht viel Energie, reichlich Mitstreiter und einen langen Atem als Stararchitekt.

    Tadao Ando, das Gebäude x

    Nariwa Museum, Japan

    Dass Tadao Ando diese Ausdauer hat, beweist er freilich nicht nur durch seine Berufswahl. Auch die Entwürfe sind von einer ruhigen Entschlossenheit, die man gerne häufiger sehen würde (gerade in Deutschland, wo sich der Gestaltungswille allzu oft geschmacklosen Investoren und phantasielosen Verwaltungsbeamten unterordnen muss). Die mutigen Entwürfe verkörpern starke ästhetische Aussagen. Mit kraftvollen Linien schafft er Gebäude, die gleichermaßen den baulichen Anforderungen als auch dem emotionalen Umfeld – der Landschaft – gerecht werden (zum Beispiel beim Chikatsu Asuka Historical Museum). Dabei verweigert er sich keinesfalls neuen, industriellen Bauweisen. Schon bei seinen allerersten Wohnhäusern aus den frühen 70ern demonstrierte er seinen gekonnten Umgang mit Sichtbeton und hat damit das Stilmittel damit elementar geprägt.

    Tadao Ando, Portrait

    Tadao Ando

    Tadao Ando beherrscht die Kunst der Reduktion. Mit sparsamen Mitteln entstehen komplexe, vielschichtige Entwürfe, wie das House in Chicago, der Wohnkomplex Rokko Housing, der sich verschachtelt an einen Steilhang anlehnt, oder die Church of the light. Sie ist von außen nicht viel mehr als ein grauer Kubus, doch voller Raffinesse und mit einem Sinn für’s Licht erhebt er das Gebäude zu einem spirituellen Ort. Nicht umsonst hält der Designer Philippe Starck Ando für den letzten japanischen Mystiker.

    Wen interessiert da schon, dass Ando niemals Architektur studiert hat? Heute ist er einer der bedeutendsten Architekten der Welt, Träger der vier größten Architekturpreise und die Verkörperung japanischer Bauästhetik. Derzeit widmet sich der 71-Jährige dem Projekt Umi-no-Mori, der Neuerschließung einer ehemaligen Müllkippe in der Nähe von Tokyo. Auch in Deutschland gäbe es ästhetisch einiges zu reparieren. Aber ein Baumeister von diesem Format ist hierzulande leider nirgends zu erkennen.

    Dank an Philip Jodidio, dass er das architektonische Lebenswerk so großartig zusammengefasst hat.

    Ando. Complete Works 1975–2012
    Überarbeitete Neuauflage
    Philip Jodidio
    Taschen Verlag
    660 Seiten, 34,99 €

    Erschienen am 3. Juli 2012   

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    Tigerschutz, eine Hauptaufgabe des WWF

    Bild Jean-Jacques Halans

    Schwarzbuch WWF

    Es ist peinlich, wie sich Buchgroßhändler und große Buchhändler im Umgang mit diesem Sachbuch verhalten haben: Noch bevor ein Gericht über die Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung entschieden hat, haben sie das Schwarzbuch WWF auf Druck der Umweltorganisation aus ihrem Programm genommen. Inzwischen hat das Kölner Landgericht zugunsten des Autors Wilfried Huismann und seines Verlages Random Haus entschieden. Das Buch darf so wie es ist weiter vertrieben werden, doch Amazon hat das Werk noch immer nicht im Programm. Lediglich einige Vertragshändler wollen das Buch an die Kunden ausliefern.

    Warum das Ganze? In seiner Arbeit behandelt Huismann die Strukturen und die Arbeitsweise der Umweltorganisation WWF. Seine Beschreibungen zeichnen das Bild eines steinreichen, wirtschaftsnahen und intransparenten Vereins, der sich bevorzugt der eigenen PR sowie ökologisch fragwürdigen Leuchtturmprojekten widmet. Darüber hinaus erhebt Huismann den Vorwurf, der WWF verfolge ein elitäres Umweltmodell. Die Organisation sei keine Graswurzel-Bewegung, die nachhaltige Veränderungen erzeugen will, sondern ein Club reicher, weißer Kolonialromantiker, die mit gigantischen Budgets die Illusion einer heilen Natur errichten wollen.

    Innerhalb der Zäune, von denen im Buch immer wieder die Rede ist, herrsche eine scheinökologische Diktatur, außerhalb kooperiere man mit global agierenden Industrie-Unternehmen, die offensichtlich gewaltigen Schaden an der Umwelt und den betroffenen Gemeinschaften anrichten. Zu den Kooperationspartnern des WWF gehören demnach Unternehmen wie die Ölmultis Shell und Exxon Mobile, der Fastfood-Riese McDonald’s, der umstrittene Saatguthersteller Monsanto und der Aluminiumproduzent Alcoa.

    Gleichzeitig schade der WWF den Interessen der lokalen Bevölkerung. So mussten in Indien nach Angaben des Autors mehrere Hunderttausend Ureinwohnern des Stammes der Adivasi ihre Dörfer im Wald verlassen, damit immer wieder neue Tigerschutzzonen errichtet werden können. Heute brettern dort Tag für Tag Ökotouristen mit ihren Jeeps durchs Unterholz, um die Raubkatze vor die Linse zu bekommen. Die Adivasi, deren Name wörtlich übersetzt bedeutet Die die zuerst da waren wurden um ihre Lebensgrundlage gebracht und verdingen sich heute für Hungerlöhne auf den Plantagen der Umgebung oder leben in den Slums der Städte.

    Leider hat das Buch tatsächlich einige Schwächen, durch die es angreifbar wird. Es ist bisweilen schnoddrig und unpräzise geschrieben. Immer wieder stößt man auf undurchsichtige Formulierungen und verdeckte Behauptungen. Alles in allem ist das Werk trotzdem eine gewaltige Anklage. Die erstklassig finanzierten PR-Berater des WWF werden sich auch in Zukunft kaum über mangelnde Beschäftigung beklagen.

    Schwarzbuch WWF
    Schwarzbuch WWF
    Wilfried Huismann
    Gütersloher Verlagshaus
    256 Seiten, 19,99 €

    Erschienen am 22. Juni 2012   

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