Berlin: Austria und Felix Austria

Felix Austria und Austria – Das Original, BerlinEin Spruch auf einem Berliner Anrufbeantworter zeugt von dem Bruderkampf, der sich seit Jahren in der Bergmannstraße in Kreuzberg abspielt. Gegenüber der Marheineke Markthalle gibt es zwei Gaststätten, die sich den Namen „Austria“ teilen: Felix Austria und Austria – Das Original. Wer bei Letzterem einen Tisch reserviert (was stets ratsam ist, denn beide Lokale sind abends gerammelt voll), der wird vom Anrufbeantworter in schnarrendem Berlinerisch belehrt, dass es sich beim ungeliebten Nachbarn mit der Hausnummer 26 um ein Plagiat handelt.

In der Berliner Gastro-Szene ist das Austria wohlbekannt. Für die alte Kreuzberger Szene war es ein Stammlokal. Heute kommen Poeten, Angestellte und Touristen zu gleichen Teilen. Seine Bekanntheit in Berlin sagt freilich weniger über die Qualität des Restaurants als mehr über die tristen Verhältnisse, die in Berlin vor zwanzig Jahren geherrscht haben, als im Austria zum ersten Mal Grüner Veltliner ausgeschenkt wurde. Es gab damals in der Hauptstadt einfach nichts Gutes zu essen, sodass das Imitat einer Beisl zu einer lokalen Berühmtheit aufsteigen konnte.

Man muss kein Sherlock Holmes sein, um zu ahnen, was in beiden Lokalen auf die Teller kommt: Wiener Schnitzel und seine deftigen Gesellen, dazu würziges Bier und österreichische Weine. Dabei orientiert sich das Felix Austria ein wenig nach Italien und bietet eindeutig die bessere Küche. Der Besuch im Austria ist hingegen gastronomisch ernüchternd. Die Schnitzel sind blass statt goldbraun, der Kartoffelsalat ist süß und matschig, der Jägerpfanne fehlt es an Salz und richtigen Pilzen, dafür gibt es hier fette Sahnesoße satt. Als Beilage kommt ein pickepackevoller Salatteller, der zwar ganz gut schmeckt dabei aber aussieht als wäre er 1983 angerichtet worden.

Des Weiteren krankt das Austria auch an anderen Leiden: Der Raum ist bis auf den letzten Zentimeter mit Tischen zugestellt. Sobald das Essen serviert ist, muss man den Kellner am besten persönlich am Tresen abholen, denn achtsame Blicke gibt es nicht – zumindest, wenn man in der Ecke sitzt. Der Gastraum ist zu niedrig und mit Dämmplatten abgehängt, was die restliche Ausstattung mit alpiner Holzvertäfelung, Rehgeweihen und Sissi-Memorabilien auf den zweiten Blick zur Kulisse degradiert.

Inzwischen gibt es in Berlin reichlich Adressen, in denen österreichische Küche liebevoll und gut zubereitet wird. Da muss man sich nicht aus altem Kreuzberger Dünkel an überholten Traditionen festhalten. Kurz gesagt: heute sind die Schnitzel woanders besser.

PS. Nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr“ sollte sich Stefan Thomsen vom Felix Austria bitte noch um eine Erbfeindschaft mit dem Felix bemühen.

Austria – Das Original
Bergmannstraße 30
10961 Berlin

Telefon 030 / 69 44 440
www.austria-berlin.de

Felix Austria
Bergmannstraße 26
10961 Berlin

Telefon 030 / 61 67 54 51
www.felixaustria.de

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