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    Elch (historisch), Hirsch (frisch)

    cantamaggio

    Über das Neue Museum, gute Kellner und das Cantamaggio

    Eine Cafeteria haben wir im Neuen Museum auf der Museumsinsel zwar nicht entdeckt. Aufgrund der wilden Mischung archäologischer Funde aus rund 8.000 Jahren waren wir aber zumindest historisch am Ende gut gesättigt. Ein etwas seltsames Exponat, das neben der Nofretete jedoch stark verblasst, ist das Skelett eines Elchs, der vor vor geraumer Zeit dort verstarb, wo heute die Berliner U-Bahn ihre Runden dreht. Wie er ins Jenseits schlurfte, ist unbekannt. Dass sein Fleisch nicht auf den Tellern des CANTAMAGGIO gelandet sein durfte, kann hingegen als gesichert gelten – auf der Speisekarte findet sich zwar Hirsch, von Elch jedoch keine Spur.

    Das Restaurant in der Alten Schönhauser Straße gehört zu den festen Größen in der gastronomischen Landschaft Berlins und sein guter Ruf eilt dem Besucher entgegen, nicht allein weil Blixa Bargeld es als eines seiner Lieblingsrestaurants angibt. Mit der übersichtlichen, aber feinen Speisekarte vor Augen, sollte man es ihm, dem bekennenden Fischliebhaber, nachtun: Der Kabeljau mit Fenchel war eine wahre Freude. Die Haut appetitlich und knusprig gebraten, das Fleisch so zart und saftig, dass Atlantikwellen um den Gaumen spülen.

    Und auch der Hirsch macht seiner Verwandschaft im Neuen Museum keine Schande. Das Fleisch war zart und rosa, wie man es sich wünscht, die Beilagen liebevoll zubereitet und die Soßen perfekt abgeschmeckt. Die kräftigen Wild- und Waldaromen wurden durch die Weinauswahl des Kellners glänzend ergänzt. Auf unsere Bitte hin, wählte Michael Egger mit viel Geschmack auch zum Kabeljau einen herrlichen Rotwein aus.

    Der Service ist ohnehin eine der vielen Stärken des CANTAMAGGIO. Die ruhige Freundlichkeit ist vorbildlich und nicht zu vergleichen mit dem unterwürfigen Geschwätz, das einem sonst so oft begegnet. Man arbeitet mit Respekt: vor den Speisen, sich selbst und nicht zuletzt dem Gast, der sich kein oberflächliches Lächeln wünscht, sondern genügend Sachverstand. “Süße Verführungen”, Konjunktiv-Orgien und Solariumsbräune gibt es hier nicht, statt dessen jedoch humorvolle Spontanität.

    Die Patronin ist zurecht stolz darauf. Also gewährt sie ihren Obern einen hervorgehobenen Platz im Internet-Auftritt des Restaurants. In unterhaltsamen kleinen Filmen geben die Herren Einblick in die Philosophie ihres Handwerks und erzählen nebenbei, welche Tätgkeiten sie zuvor ausübten: Aushilfsskilehrer, Musiker, Schornsteinfeger, Makler oder Preisboxer wird da genannt. Am Ende sind sie zum Glück Kellner geworden. Und wir ihre Gäste.

    Restaurant Cantamaggio
    Alte Schönhauser Straße 4
    10119 Berlin-Mitte
    Telefon 030 / 283 18 95
    www.cantamaggio.de

    Themen: Außer Haus | 2 Kommentare »

    2 Antworten to “Elch (historisch), Hirsch (frisch)”

    1. malte g. meint:
      22. Oktober 2009 um 14:42

      Hallo DDD! Das cantamaggio ist in der Tat ein gutes Haus. Die benachbarte Fleischerei kann ich auch empfehlen.

      Gruß,M

    2. Andreas meint:
      22. Oktober 2009 um 15:39

      Ja, in die Fleischerei will ich auch bald. Ist ja noch recht neu, muss man mal probieren…

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