Armer, armer Ritter

Der herzerwärmende Duft brauner Butter, die goldene Farbe und der Geschmack von Honig und Brot verbunden in einem Rezept aus grauer Vorzeit: Arme Ritter spenden schon seit Jahrhunderten Trost und Zufriedenheit. Und das schaffen sie auch noch 21. Jahrhundert.

Armer Ritter

An manchen Tagen (und auch in entsprechenden Nächten) braucht jeder mal einen gutmütigen Beschützer. Dann kochen wir unserer Familie oder jenen, die wir in diesen dekonstruierten Zeiten als Familie bezeichnen, etwas das die Seele streichelt, ein friedfertiges, kleines Essen, das bildlich gesprochen nach Mama schmeckt. Dafür eignet sich ein uraltes Rezept wie kein anderes: Armer Ritter.

Der vornehme Herr wird bereits im allerersten deutschen Kochbuch, dem Buoch von guoter Spise aus den 1330er-Jahren, ausführlich erklärt. Im Originalrezept weicht man altbackenes Weißbrot in Milch ein und backt die Stücke in Butterschmalz aus. Wir versuchen uns stattdessen an einer Version, die wir an die Gegebenheiten des frühen 21. Jahrhunderts anpassen.

Für zwei gestresste Seelen brauchen wir also zwei Eier und drei Scheiben Toast. Wir schneiden den Toast diagonal in Stücke, so sich hübsche Dreiecke ergeben. Dann verquirlen wir die beiden Eier in einer kleinen Schüssel und geben sie auf einen weiten Teller oder in eine Form. Wir legen das Brot hinein und warten so lange, bis es das Ei aufgesogen hat. Dabei müssen wir die Scheiben einige Male wenden. Bitte Geduld, denn es dauert ein paar Minuten, bis das frische Brot das Ei ganz aufgenommen hat.

Auf dem Herd steht derweil schon die Pfanne. Sie darf nicht zu heiß werden, denn wir wollen die Brote sanft und mild ausbacken. Eine mittlere Hitze ist also gerade recht. Kurz bevor die Brote in die Pfanne kommen, geben wir ein kräftiges Stück Butter oder Butterschmalz hinein, das sofort schaumig zerschmilzt. Wenn die Butter sofort braun wird, ist die Pfanne zu heiß, wenn sie gelangweilt zergeht, ist die Pfanne zu kühl. Ein bisschen Erfahrung bei der Zubereitung schadet nicht. Die Armen Ritter werden sicherlich jedes Mal ein bisschen besser.

Nun kommen die Brote dazu. Wenn nicht alle gleichzeitig in die Pfanne passen, backen wir eben zweimal. Während sie auf der ersten Seite backen, würzen wir sie vorsichtig mit ein wenig Salz und einer Prise Zucker. Der Zucker wird nach dem Wenden karamellisieren, was ein tolles Aroma erzeugt. Wir schauen einmal unter die Brote. Wenn sie goldgelb und leicht gebräunt sind, können wir sie vorsichtig wenden. Die zweite Seite geht immer ein bisschen schneller: Nach drei bis vier Minuten hat auch die Rückseite eine wunderbare Farbe. In der Küche duftet es nun ganz heimelig.

Ich esse die Armen Ritter heute mit Mascarpone und Ahornsirup. Beides passt ganz wunderbar zu Brot, Butter und Ei. Ebenso gut schmecken die Armen Ritter mit brauner Butter und Zimt-und-Zucker. Das Rezept ist allerdings so bodenständig und durchdacht, dass unzählige Variationen denkbar sind. Man könnte sie herzhaft mit Speck zubereiten oder süß mit Beeren und Eis.

2 Antworten auf Armer, armer Ritter

  1. Ich mag ja die Kombination süß – salzig am liebsten, also mit Speck und Ahornsirup.

  2. Wow, Speck und Ahornsirup. Erinnert mich an das hier: http://i.ytimg.com/vi/y3nPUFcV738/0.jpg

    Ich weiß noch nicht, ob das meinen Appetit anregen kann. Aber die Kombination scheint reizvoll zu sein.

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