Alter Rotwein

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Alter Rotwein

Auch die späten Jahre halten manche Freude für uns bereit. Andererseits ist auch beim Rotwein alt nicht gleichbedeutend mit gut. Es kommt darauf an, wie er sich gehalten hat.

Im Gegensatz zu Long Island Ice Tea, Apfelsaft oder Mezzo Mix, wird Wein häufig besungen, und dafür gibt es gute Gründe. Wein ist sanft und aromatisch, er klebt nicht und er sagt auch nicht „Du hättest es besser wissen müssen“ – wie der letzte Jägermeister vor dem Nachhauseweg. Man muss nicht Wilhelm Busch sein, um zu wissen, dass ein schönes Fläschchen für viele irdische Unzulänglichkeiten durch Wirkung und Geschmack entschädigt.

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Bei der Wahl des Getränks spielt es zunächst keine Rolle, ob ein italienischer Tischwein oder ein feiner Tropfen aus dem Burgund auf dem Tisch steht. Solange die Weine ehrlich hergestellt werden und trinkbar sind, ist alles in Ordnung. Leider gilt das für viele Weine nicht, allen voran die günstigen Flaschen aus dem Discounter. Man merkt das oft daran, dass ein Wein eine Woche geöffnet in der WG herumsteht und danach immer noch o.k. ist. Jeder richtige Wein wäre längst sauer geworden, aber in der Industrie gelten andere Gesetze.

In vielen Großkellereien wird, wie in einer Erdölraffinerie, solange gepanscht, verschnitten, geschwefelt und gezuckert, bis der Wein die populäre Süffigkeit und zusätzlich ein, zwei prägnante Aromen inne hat. Das fällt bei der ersten Verkostung vielleicht noch angenehm auf, doch wer die gleiche Sorte ein weiteres Mal nach Hause trägt, wird feststellen, dass es sich mit diesen Weinen verhält, wie mit Nescafé: Egal, was man damit anstellt, wo, wann und wie man ihn zu sich nimmt – er schmeckt immer gleich. Dass damit nichts von dem übrig bleibt, woraus der Wein gewachsen ist, aus dem Klima, dem Boden, der Traube und der Tradition des Winzers, ist dabei sogar gewünscht. Am Ende trinkt man einen langweiligen Micky-Maus-Wein, der ein bisschen nach Kirschen oder Brombeeren duftet.

Billiger Wein wird billig schmecken, aber auch Wasser kostet wenig, und die meisten Menschen trinken es täglich. Also muss man schauen, was man da zu sich nimmt und auch für den billigen Wein nach kleinen Geschäften suchen. Dort wird man vielleicht eine Vorstellung davon bekommen, was einen Wein wirklich ausmacht. Um einen leckeren und harmonischen Wein herzustellen, braucht es das Handwerk des Kellermeisters und seine besten Trauben. Je teurer der Wein, desto raffinierter die Strukturen, der Duft, der Trinkgeschmack und der Nachhall, der sich noch im Mund bewegt, während der Wein selbst längst die Kehle hinter sich hat. Guter Wein kann die gleiche tiefe Freude bereiten, wie eine Ausstellung von Richard Avedon oder ein Konzert von The Whitest Boy Alive.

Und dann ist da noch das Spiel mit dem Alter. Während die meisten Weine besser früher als später getrunken werden sollten, gibt es doch Perlen, denen zwanzig und mehr Jahre nichts auszumachen scheinen. Der Wein auf dem Foto war ein Argentinier von 1972. Dass er noch trinkbar war, ist bei diesem Alter nicht selbstverständlich. Der erste Geschmack war mäßig. Sein Rücken war schon leicht gebeugt und die jugendliche Frische hatte er längst verloren. Doch die alten Anekdoten kannte er noch, und einen Tag später, bei der zweiten Annäherung, hatte er sich plötzlich verändert. An der Luft war er noch einmal zurückgekommen und schmeckte jetzt leicht, würzig und angenehm. Ein echtes Geschenk für mich und eine wahre Freude.

2 Antworten auf Alter Rotwein

  1. vdfgsfhksdk sagt

    ein bisschen was zu knabbern wäre nicht schlecht…

  2. Andreas sagt

    Bald gibt es dazu den passenden Schinken hier im Blog

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